Arbeitsvermittlung - Mythos und Realität

Mit diesem Blog geht es mir vor allem auch darum, der offiziellen Propaganda, die leider von den meisten großen Massenmedien mitgetragen und durch sie erst ermöglich wird (lokale Medien sind teilweise wesentlich unabhängiger und neutraler), von mir selbst erlebte Fakten entgegen zu setzen, die ein hoffentlich differenzierteres Bild von der "Realität Hartz-IV" ermöglichen.

Was die so genannte "Arbeitsvermittlung" - Dreh- und Angelpunkt eines jeden Jobcenters, bedauerlicherweise jedoch vorwiegendes Schikane- und Sanktionsvehikel - offiziell leisten soll, dürfte jedem bekannt sein - ich zitiere hier die so treffende Formulierung des Geschäftsführers des Jobcenter Unterallgäu: "...erwerbsfähige Leistungsberechtigte bei der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit [zu] unterstützen".

Es gibt sicherlich viele Gründe, weshalb die Politik sich den "Hartz-IV"-Unfug überhaupt ausgedacht hat. Ein wesentlicher scheint mir zu sein, dass die Politiker damit ihre Lebenslüge der angeblich erreichbaren "Vollbeschäftigung" decken wollten. DESHALB muss vor allem die Illusion einer wirksamen "Arbeitsvermittlung" unter allen Umständen aufrecht erhalten werden und die "erwerbsfähigen Leistungsberechtigten" (ich liebe diese gestelzten Amtsformulierungen) werden regelrecht mit Jobangeboten "bombardiert"; ob sinnvoll oder nicht ist dabei vollkommen egal.

Hauptsache, man kann sagen: "Wir haben wirklich alles versucht, aber es gelingt uns einfach nicht, die Arbeitslosigkeit NOCH weiter zu reduzieren".

Dazu eine kleine Anmerkung: die TATSÄCHLICHE Arbeitslosenzahl - also die, bei der nicht die geschönte Statistik der BA herangezogen wird, sondern die ganz nackten Fakten der Gesamtzahl der ALG-I und -II-Empfänger berücksichtigt werden, die übrigens auch regelmässig von der BA veröffentlicht wird - liegt laut einem Bericht der "Deutschen Mittelstandsnachrichten" im September 2012 bei sage und schreibe 11,9%.

So sieht es in Deutschland WIRKLICH aus.

Die über die "Arbeitsvermittlung" hoch gehaltene Illusion sagt aber natürlich etwas ganz anderes, z. B.: "Der Arbeitsmarkt ist vorhanden", O-Ton einer so genannten "Arbeitsvermittlerin".

Na klar, weil der Arbeitsmarkt so massiv und unübersehbar vorhanden ist, braucht´s ja auch unbedingt ein "Jobcenter".

 

Ich sage: die so genannte Arbeitsvermittlung, mindestens des Jobcenter Unterallgäu, ist katastrophal ineffizient. Sie ist sogar nicht nur ineffizient, sondern auch total lustlos. Und hier erfahren wir, dass das beileibe kein Einzelfall ist: http://www.labournet.de/diskussion/arbeit/realpolitik/zwang/dschungel.pdf

Hier ein Artikel aus dem Stern, der ebenfalls überdeutlich aufzeigt, wie ineffizient die so genannte "Arbeitsvermittlung" der Jobcenter tatsächlich ist: http://www.stern.de/tv/sterntv/stern-tv-hartz-iv-bilanz-teil-2-unzufrieden-mit-dem-jobcenter-1982420.html

Seit dem 17.01.2013 habe ich vom Jobcenter Unterallgäu - natürlich von denen unbeabsichtigt - den BEWEIS für meine These, dass deren "Arbeitsvermittlung" mit mit dem Attribut "katastrophal" eigentlich noch beschönt ist...

 

Vergleichen wir also jetzt mal die Realität, natürlich die des Jobcenter Unterallgäu, mit den Wunschvorstellungen einer so genannten "Arbeitsvermittlung", die diesen Namen auch tatsächlich verdienen würde.

 

Vorab zwei kurze Erlebnisse, die meiner Ansicht nach sehr schön eine auch weiträumigere Perspektive ermöglichen.

 

Vor einiger Zeit hatte mein "Arbeitsvermittler", mit dem ich übrigens ein gegenseitig sehr respektovlles Verhältnis pflege, ein ganz tolles Angebot für mich: eine offene Stelle als LKW-Fahrer, die "ganz dringend" zu besetzen sei. Nun gut, dachte ich mir, warum nicht mal mit dem LKW durch die Gegend fahren und ein bisschen Geld verdienen?

Also rief ich bei dem Unternehmen an, um mich zu bewerben. Um es kurz zu machen: die WOLLTEN mich nicht. Ach wirklich? Einen promovierten Mikrobiologen wollen die nicht als Fahrer? Das fand ich aber mehr als überraschend...

Der weitere Verlauf des Gesprächs war aber wesentlich interessanter: die Chefin beklagte sich regelrecht bei mir, dass sie NUR solche vollkommen abwegigen Vermittlungsvorschläge bekomme. Auch Controller seien ihr schon angeboten worden. LKW-Fahrer aber, die sie benötige, würden, anstatt sie ihr zu vermitteln, auf Fortbildungen auch weitab ihres Wohnortes geschickt. Und es sei ja auch nicht so, dass ihr diese untauglichen Vorschläge keine Arbeit machten. Wenn sie z. B. einen Controller dennoch zu einem Probetag einlade, nur um dann am Abend festzustellen, dass er eben nicht geeignet sei, hätte sie außer Zusatzkosten und -Arbeit nichts davon gehabt.

Sie habe die Stelle ohnehin nur deshalb bei der Bundesagentur für Arbeit ausgeschrieben, damit sie auf deren Internetportal veröffentlicht werde. Ansonsten wolle sie mit den Arbeitsämtern eigentlich nichts zu tun haben...

 

Einige Zeit später sprach ich dann wieder mal - natürlich auch als Resultat der "Arbeitsvermittlung" des Jobcenter - bei einer Zeitarbeitsfirma vor und traf dort auf eine ganz unerwartete Perle.

Um es wieder kurz zu machen: für die Stelle - als Medizinisch-Technischer Assistent - war ich überqualifiziert. Nee jetzt, oder? (Was aber echt super war: ich fuhr auf Kosten des Jobcenters nach Ravensburg. Ein wirklich schönes Städtchen...Ich warte immer noch auf das Vorstellungsgespräch in Neapel). Ich bekomme übrigens laufend solche "hoch qualifizierten" Angebote...

Wieder wesentlich interessanter war das Gespräch mit der Mitarbeiterin der Zeitarbeitsfirma, die mir auch gleich erläuterte, warum sie mich zum Vorstellungsgespräch eingeladen hatte, obwohl sie mir aktuell überhaupt nichts anbieten konnte: sie sagte mir, bei ihr würden "andauernd" "Hartz-IV"-Empfänger vorsprechen, die von ihrem so genannten "Arbeitsvermittler" den ausdrücklichen Auftrag hätten, sich "nur einen Stempel abzuholen".

Ich brauchte einige Sekunden, um die Quintessenz zu begreifen: der ARBEITSVERMITTLER BRAUCHT DEN NACHWEIS, DASS ER GENÜGEND VERMITTLUNGSVORSCHLÄGE AUSGEHÄNDIGT HAT.

 

SO LÄUFT DAS IN WAHRHEIT MIT DER "ARBEITSVERMITTLUNG"! Die vermitteln im wesentlichen SICH SELBER Arbeit!! Geht es noch absurder? Für diesen vollkommenen Blödsinn werden für ganz Deutschland betrachtet insgesamt Unsummen an Steuergeldern herausgeworfen - mindestens für die Fahrtkosten -, die dann natürlich über Rechtsbrüche und Sanktionen wieder "hereingewirtschaftet" werden müssen. Die Illusionen der Politikdarsteller kosten eben richtig Geld...

Hier dazu ein äußerst interessanter Artikel, der "belegt", wie es bei der so genannten "Arbeitsvermittlung" der Jobcenter in Wahrheit aussieht und dass Sanktionen das einfachste Mittel seien, um Geld zu sparen: http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/hartz-iv-sanktionen-um-kosten-zu-sparen-9001162.php

 

Dieses Spiel - einfach nur einen Stempel als Beweis eines "Vorstellungsgesprächs" -  lehnte die Dame jedoch ab und folglich verschaffte sie mir auf diese Weise über ein echtes Vorstellungsgespräch einen wirklich netten Besuch in Ravensburg.

 

Kommen wir dann jetzt aber zu den noch viel absurderen Aktionen des Jobcenter Unterallgäu.

Als erstes hier mein Schreiben an den Vorsitzenden der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen, das bezüglich der Qualität der angebotenen "Vermittlungsvorschläge" für sich selber spricht.

"Selbstverständlich" wurde das nächste "Beratungsgespräch" am 08.10. nicht abgesagt und es wurde alles noch viel besser.

Der Geschäftsführer des Jobcenter Unterallgäu erklärte mir in Beantwortung meiner Beschwerde(n) u. a. trotzig: "Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verfolgen den gesetzlichen Auftrag des SGB II, erwerbsfähige Leistungsberechtigte bei der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zu unterstützen. Sowohl die Vermittlungsvorschläge als auch die Beratungsgespräche dienen ausschließlich diesem Zweck".

Gut, dass wir das jetzt wissen.

 

Hier meine - wie immer freche ;-) - Antwort - es fällt mir einfach unglaublich schwer, bei dieser ganzen Komödie selber auch noch "seriös" zu bleiben.

 

Nun kommen zwei wirkliche "Perlen" an "Vermittlungsvorschlägen".

Hier die erste.

Zur Erläuterung: meine Frau hat seit Jahren eine Handverletzung, die ihr sogar verbietet, z. B. in der Gastronomie zu arbeiten und dort "nur" dauerhaft Teller oder Töpfe anzuheben. Dies ist dem Jobcenter nicht nur seit Jahren bekannt, es wurde erstens durch den Amtsarzt bescheinigt UND in dem famosen "Beratungsgesprräch" nur zwei Wochen vor Zusendung dieses "Vermittlungsvorschlags" NOCHMALS deutlich thematisiert.

Aber: Aufrechterhaltung der Illusion lautet der Auftrag...

 

Und das beste, wie immer, zum Schluss:

Angeblicher Job als Kinderpflegerin

Dieser "Vermittlungsvorschlag" war wirklich zum Totlachen! Die so genannte "Arbeitsvermittlerin" war ganz stolz, er sei "gerade hereingekommen". Wir, bzw. meine Frau, ging sogar zum Vorstellungsgespräch. Und, was war das Ergebnis? Es GAB nicht nur keine Stelle als Kinderpflegerin, meiner Frau wurde ÜBERHAUPT NICHTS angeboten. Aber die so genannte Arbeitsvermittlerin hatte wieder ihren "Stempel".

Und wir einen schönen Aufenthalt in Kempten.

 

Ich werde alle weiteren überzeugenden so genannten "Vermittlungsvorschläge" hier ebenfalls publizieren.

Mal sehen, ob die Lachnummern noch zu toppen sind...

 

Meine Frau und ich haben jedenfalls unseren Heidenspass mit "Hartz-IV"...

 

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