Landrat des Landkreises Unterallgäu verliert Contenance...

Die Reaktionen der Verantwortlichen des Jobcenter Unterallgäu, einschließlich des Landrates, werden immer erstaunlicher. Vor kurzem hatte ich mich bei ihm über das aus meiner Sicht komplette Versagen der so genannten Vermittlungsbemühungen des Jobcenters beklagt.

Anscheinend habe ich damit nicht nur ins Schwarze, sondern möglicherweise mitten in ein Wespennest getroffen, denn, wie seine - ungewöhnlich schnelle - Antwort zeigt, hat er außerordentlich emotional und heftig reagiert, da er meine Anwürfe als "nicht hinzunehmende Unverschämtheit" abkanzelt. Sollte sich ein Landrat so etwas leisten dürfen?

Das zu beurteilen, liebe Leser, überlasse ich wieder einmal Euch selbst.

Völlig klar ist jedenfalls, dass meine Kritik den Landrat stark getroffen hat.

Da wäre ich dann zu gerne "Mäuschen" gewesen, als er das Jobcenter zur Rede stellte (und er von dort vermutlich als Rechtfertigung die tollen Rankingzahlen erhielt)...

Ich betone es nochmals: Wehrt Euch, macht Druck. Es lohnt sich!!

 

Wie bei solchen Schreiben immer, lohnt sich auch hier ein ganz nüchterner Blick, denn das Schreiben stellt uns nun ganz offiziell eigentlich wohl interne Kennzahlen zur Verfügung, die es in sich haben.

 

Stolz wird hier berichtet: "das Jobcenter Unterallgäu hat seit Bestehen mehr als 3.500 Menschen Arbeit vermittelt". Rechnen wir doch einmal kurz nach: das Jobcenter, samt seiner Vorgängerorganisation namens "ARGE" besteht seit Januar 2005. In 8 Jahren (2005 - 2012, aber 2005 selber ist ja auch ein komplettes Jahr) wurden also "mehr als 3.500" Menschen in Jobs vermittelt, was dann ca. 450 pro Jahr oder 38 pro Monat entspricht.

Das ist nun wirklich eine gewaltige Zahl, die einmal einen Applaus verdient hat. Meint Ihr nicht auch? Da kann man schon mal leicht überreagieren, wenn jemand die Vermittlungsqualität dieses so genannten Jobcenters in Frage stellt.

 

Noch besser ist aber folgende Aussage: "Im Jahr 2012 lag die Integrationsquote bei 46,8%. Das Jobcenter Unterallgäu belegt damit bundesweit den dritten Platz".

Mit 38 Vermittlungen pro Monat belegt das Jobcenter bundesweit den dritten Platz? Okay, das war jetzt einfach nur Statistik mal anders rum. Ihr seht aber, worauf ich hinaus möchte: Statistiken, insbesondere PROZENTWERTE, sagen NICHT DAS GERINGSTE aus. Offenbar geht es dem Landkreis Unterallgäu wirtschaftlich ganz einfach blendend - anscheinend waren hier pro Jahr im Durchschnitt nicht mehr als ca. 950 Menschen überhaupt beim Jobcenter arbeitslos gemeldet -, was nun wirklich nicht der Erfolg des so genannten Jobcenters sein kann, denn es SCHAFFT keine Arbeitsplätze.

Eine andere Aussage ist hingegen nicht zu widerlegen: Im Jahr 2012, also dem Jahr, in dem sich die positiven Meldungen zum Rückgang der Arbeitslosigkeit nahezu monatlich überschlugen - zeitweise war sie so niedrig wie seit 21 Jahren nicht mehr - lag die "Integrationsquote" des bundesweit dritterfolgreichsten Jobcenters bei NOCH NICHT EINMAL 50%, und das in einem Landkreis, der ohnehin mit einer sehr geringen Arbeitslosenquote gesegnet ist.

Nun beginnen wir wohl auch zu verstehen, warum der Landrat vermutlich so heftig reagiert hat: Politiker schreiben sich ja traditionell eine geringe Arbeitslosenquote gerne auf ihre eigenen Fahnen. Genauso schreibt sich der Landrat diese von ihm so stolz vorgetragene drittbeste "Integrationsquote" vermutlich auch auf seine Fahnen, da er ja schließlich der Vorsitzende der Trägerversammlung eben dieses Jobcenters ist. Und da passt eine Kritik wie meine, die ihm ganz deutlich das Versagen des Jobcenters in meinem konkreten Fall vor Augen führt, noch dazu, wo er selber noch am 4. Januar 2013 mit der Bemerkung öffentlich zitiert wurde, dass ich "gut qualifiziert" sei und daher bald wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden könne, ganz einfach nicht ins Konzept. DAS zu sehen tat wohl ganz einfach - sehr - weh...

 

Was sagt eine dermassen niedrige "Integrationsquote" nun über "Hartz-IV" als GESAMTSYSTEM aus? Wir sollten uns immer wieder in Erinnerung rufen, dass das offizielle Ziel bei seiner Einführung angeblich darin bestand, "jedem, der es will, einen Job zu verschaffen". Noch nicht mal jeder Zweite kann das für sich realisieren...

Aber zum Abschluss noch einmal zurück zum so genannten Jobcenter Unterallgäu: die Statistik sagt insbesondere ÜBERHAUPT nichts darüber aus, wie viele Menschen auch ganz ohne Zutun des Jobcenters wieder eine Arbeitsstelle fanden und wie viele gegebenenfalls nur kurzfristig bei einer Zeitarbeitsfirma unterkamen.

Das Jobcenter zählt ja ganz einfach nur, WENN jemand einen Arbeitsplatz hat, nicht aber, wie es dazu kam. War das Jobcenter an dieser gigantischen "Integrationsquote" von 46,8% nun zu 10, 20, oder gar 100% mit seinen so genannten "Vermittlungsbemühungen" beteiligt? Ist eine "Vermittlungsbemühung", die lediglich darin besteht, immer wieder aufs Geratewohl Jobangebote der BA zu verschicken und mit Sanktionen zu drohen, wenn man sie ignoriert, überhaupt mit Fug und Recht als "Bemühung" zu bezeichnen? So sehen jedenfalls die "Vermittlungsbemühungen" bei meiner Frau und mir regelmässig aus.

Nun, wie hoch der so bemühte Anteil des Jobcenter Unterallgäu an dieser prächtigen Integrationsquote tatsächlich ist, wissen wir nicht. Warum eigentlich nicht?

 

Schreibt mir doch in den Kommentaren mal Eure eigenen Erfahrungen!

 

Update: Ihr habt es wahrscheinlich schon vermutet: hier meine Antwort an den Landrat...

 

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