Bankrotterklärung des Jobcenter Unterallgäu bezüglich seiner Vermittlungstätigkeit

Ich habe ja schon an anderer Stelle darauf hingewiesen, dass die so genannte Arbeitsvermittlung der Jobcenter wesentlich mehr Schein als Sein ist.

Einen derart schlagkräftigen Beweis für diese These nun aber direkt vom Jobcenter Unterallgäu zu erhalten, wie in der Eingliederungsvereinbarung vom 17.01.2013 geschehen, hätte ich mir allerdings nie träumen lassen. Es geschehen eben Zeichen und Wunder und meine Zermürbungstaktik scheint ganz ungeahnte Früchte hervorzubringen.

In der EGV finden wir unter

"1. Ihr Träger für Grundsicherung unterstützt Sie mit folgenden Leistungen zur Eingliederung"

Ich zitiere: „Das Jobcenter unterbreitet Ihnen zumutbare Vermittlungsvorschläge nach §10 SGBII, soweit geeignete Stellenangebote vorliegen. Ein Abdruck des Gesetzestextes § 10 SGB II wurde Ihnen ausgehändigt. Nachdem bisherige Vermittlungsvorschläge nicht den gewünschten Erfolg erzielten, werden Ihnen auch zumutbare Helferstellen vorgeschlagen.“

 

Wow! Als ich das zu Hause las, rieb ich mir ganz verwundert die Augen. Noch herrlicher hätten die überhaupt nicht das vollständige Versagen Ihrer bisherigen sowie die vollständige Lustlosigkeit, mit der sie an die auch zukünftigen so genannten "Vermittlungsbemühungen" herangehen, eingestehen können - es lohnt sich eben manchmal tatsächlich, das meist luftleere Geschreibsel (lest dazu, was ich hier über das Bestimmtheitsgebot von Aussagen in der EGV schreibe) des Jobcenters tatsächlich mal zu lesen ;-).

Und DAS unter "Leistungen des Jobcenters". Da steht auf Deutsch: das Jobcenter hat überhaupt keine Lust, irgend etwas zu leisten. Und genau DESHALB muss dann ja der "Hilfsbedürftige" ALLES leisten. Und DAS soll dann ein Vertrag oder eine so genannte "Vereinbarung" sein?

 

Für diejenigen, die jetzt eher "zufällig" auf diesen Beitrag gestossen sind, zum Verständnis: Ich bin promovierter Mikrobiologe.

Und wenn Ihr glaubt, ich hätte noch nie eine "zumutbare Helferstelle" erhalten, dann schaut Euch nur mal mein Erlebnis mit dem Vermittlungsversuch als LKW-Fahrer an. Das war ja NOCH NICHT MAL eine "Helferstelle", denn LKW-Fahrer sind gut qualifiziert, aber insgesamt doch wohl sehr symptomatisch.

 

Mit diesem Hintergrundwissen können wir jetzt vielleicht gemeinsam die Aussage des Jobcenters mal in Klardeutsch übersetzen:

"Es ist uns bisher - seit 2005 - trotz permanent auch bundesweiter Stellenangebote nicht gelungen, selbst einen hilfsbedürftigen Erwerbslosen mit einer überdurchschnittlich hohen Qualifikation und Ausbildung aktiv und vor allem dauerhaft in den Arbeitsmarkt zu integrieren (Anmerkung: lest oder hört Euch die Aussagen der Politiker und anderer so genannter Experten an: man hört STÄNDIG, dass "eine gute Ausbildung die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit" sei) und weil wir jetzt auch überhaupt keine Lust mehr haben, auch weiterhin auch nur nach geeigneten Vermittlungsvorschlägen zu suchen, schmeissen wir ihm nächstens einfach mal "zumutbare Helferstellen" hin. Das klappt zwar wegen maximaler Überqualifizierung auf gar keinen Fall, ist ja aber nicht unser Problem. Hauptsache, wir haben unser Soll erfüllt und Vermittlungsvorschläge rausgehauen".

 

Und DA wundert sich noch einer, dass wir auch mehr als 7 Jahre nach der Einführung von "Hartz-IV", wo uns doch von "Papa Schröder" so liebreizend versprochen wurde, dass "jeder, der arbeiten will, auch einen Job kriegt" (ist der eigentlich in der DDR aufgewachsen - "Recht auf Arbeit"?), immer noch ca. 5 Millionen Menschen arbeitslos sind?

Übrigens: die BA scheint so ganz langsam etwas zu begreifen: Spiegel online berichtet: "Nürnberg - Die Bundesagentur für Arbeit (BA) überprüft ihre Zusammenarbeit mit der stark gewachsenen Zeitarbeitsbranche. BA-Chef Frank-Jürgen Weise räumte gegenüber der Zeitung "Die Welt" "Fehlentwicklungen" in diesem Bereich ein."

 

Na ja, besser spät als nie...

 

§10 SGBII ist eben eine Sache und die Lebenswirklichkeit eine ganz andere. Warum nur, frage ich mich immer, funktioniert das Leben einfach nicht so, wie die Politiker sich das vorstellen? Machen die nicht genügend Druck auf das Leben? Vielleicht müssten die mal mit dem Leben eine EGV schliessen... Was in der wohl "vereinbart" wäre?

 

So, da Euch dieser Blog ja vor allem zeigen soll, wie Ihr Euch gegen derlei Unfug wehrt, hier mein Schreiben an

a) den Vorsitzenden der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen als Disziplinarvorgesetzten des Jobcenter Unterallgäu. Den Geschäftsführer dieses "Jobverhinderungscenters" übergehe ich längst. Wer sich lange genug als nicht zuständig profiliert, der bekommt es dann eben direkt von seinem Vorgesetzten zu hören.

b) den Landrat des Landkreises Unterallgäu. Der war nämlich pikanterweise noch nicht einmal 14 Tage vor dieser neuerlichen Meisterleistung des Jobcenter Unterallgäu gemäss Politiker-Standardaussage in der Memminger Zeitung mit folgender Aussage zitiert worden: "Kleespies sei gut qualifiziert und habe somit die Möglichkeit, "wieder zum aktiven Mitglied des Arbeitsmarktes zu werden".

Nur so, liebes Jobcenter Unterallgäu, wird´s damit wohl leider nichts werden...

Wie sich ein Landrat als Vorsitzender der Trägerversammlung des Jobcenter Unterallgäu mit dieser Situation jetzt wohl fühlen wird?

Update: Jetzt - 04. Februar 2013 - wissen wir es...

 

Und wie es dem Jobcenter und meinem Arbeitsvermittler, den ich bis jetzt "eigentlich" geschätzt habe, jetzt wohl gehen wird? Und der Teamleiterin, die bei der Erstellung dieser EGV mit zugegen war?

 

Wie Ralph Boes immer so schön sagt: Wir sind Boes.

 

 

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Kommentare   

0 #1 RE: Bankrotterkläru ng des Jobcenter Unterallgäu bezüglich seiner Vermittlungstät igkeitKarl K. 2013-02-14 15:53
Und damit kann man sicherlich ebenfalls wieder gegen einen, die EGV ersetzenden, Verwaltungsakt vorgehen. So soll doch angeblich die EGV für Verbindlichkeit im Integrationspro zess für beide Parteien sorgen!

Einfach zum tot lachen hahahahah

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